Gestaltungsausgangspunkt „Zweck des Bildes“

Zweckliste

Eine „Zweckliste“ für Fotos, ohne bildinhaltliche Einordnung. Auch zum Nachdenken.

Auftragsfoto Das Bild muss, so gut es geht, den Anforderungen und Vorstellungen des Kunden angepasst werden.
Stock-Foto Das Bild muss möglichst gewinnbringend gestaltet werden (Mainstream-Finish, Inhalt allgemein für unterschiedlichste Zwecke der potenziellen Kunden gleichzeitig verwendbar). Die Anforderung und Vorstellungen der potenziellen Kunden muss dabei erahnt werden oder ergeben sich aus bisherigen Erfahrungswerten und Modeerscheinungen.
Dokumentation, Klassische Journalistik, Das Bild soll soweit, wie möglich, objektiv Information unterschiedlichster Art übertragen. Bild ist Zusatzinformation zum Text. Der Fotograf hält weitgehend eigene Interpretationen aus der Bildgestaltung heraus. (Beispiel)
Moderne Journalistik Das Bild muss effektvoll Leser zu einem Artikel führen. Emotionale Inhalte überwiegen gegenüber informativen Inhalten.
Stock-Journalismus Das Bild wird quasi auf Vorrat von in der Regel gesellschaftlichen relevanten Themen und Personen angefertigt. Bilder von Politikern und Personen des öffentlichen Lebens in nahezu allen möglichen und unmöglichen Posen, Gesten und Mimiken, die sich später in einem anderen Kontext eines aktuellen Ereignisses wiederverwenden lassen. Prinzip-Beispiel: Das Bild eines naserümpfenden Landes-Chefs bei einer Veranstaltung des lokalen Bauernverbandes wird Monate später über einen Artikel gesetzt, in dem dieser Landes-Chef sich über die Bundespolitik äußert. Anwendung ist schon lange in der sogenannten Regenbogenpresse üblich.
Eigenwerbung Das eigene Können wird für mögliche Kunden demonstriert. Gleichzeitig soll das Bild (an vielen Stellen) gesehen werden.
Eigenes Ego anheben

Das Bild muss inhaltlich, vor allem aber fotografisch, der aktuellen Mode entsprechend „optimal“ für einen großen Betrachterkreis sein. Es muss möglichst dort präsentiert werden, wo andere Fotobegeisterte eine gute Bewertung bzw. Kommentar hinterlassen, um im Gegenzug auch „gesehen“ und positiv bewertet zu werden. Der Bildinhalt kann eigentlich beliebig sein sollte aber ein „Hingucker“ werden. Entsprechend sind Aktaufnahmen besonders effektiv.

Ebenso auch zur Kommunikation und Feedback-Gewinnung im sozialen Umfeld. Hier überwiegt die Selbstdarstellung gegenüber fotografischen Qualitätsmerkmalen (s. Social Imaging).

Geschichten erzählen Oft auch in der Zusammenstellung mehrerer Aufnahmen. Anregung der Fantasie. Die Methoden der Fotografie werden zielorientiert in hoher Perfektion (von dokumentarisch bis künstlerisch) angewendet.
Künstlerische Aufnahmen Der Schwerpunkt liegt auf Punkten, wie Inhalt (auch Kontext), inhaltliche Tiefe (Anregung zum Nachdenken), Anregung der Fantasie, Ästhetik… Die Methoden der Fotografie werden in hoher Perfektion angewendet. Verfremdungen, grafische Elemente, Collagen usw. sind möglich (Ergebnis muss u.U. kein „reines“ Foto mehr sein).
Trainigs- und Testaufnahmen Dient der Erweiterung der eigenen Kenntnisse u.a. für spezielle Aufnahmesituationen, Lichtgestaltung usw. Befriedigung der eigenen Neugier über Gestaltungsmethoden, auch über erreichte eigene Fähigkeiten. Können auch Entwurfssizzen für ein zukünftiges Bild sein (Test unterschiedlicher Bildwirkungen).
„Social Imaging“ (Noch kein etablierter Begriff) Aufnahmen in der Gruppe oder allein oder mit anderen Motiven, die unmittelbar in der sozialen Kommunikation verwendet werden. Das Bild ist nahezu reiner Kommunikationsinhalt, wird in der Regel unbearbeitet im eigenen sozialen Umfeld verbreitet und unterstützt und ersetzt Sprach-basierte Kommunikation. Technische Bildqualität spielt meist eine untergeordnete Rolle. Oft auch mit deutlichem Schnappschuß-Charakter.
Urlaubs-Reise-Foto Siehe u.a. Familienfoto und „Social Imaging“. Aber auch zur Erweiterung der eigenen Fertigkeiten (Training) oder als Ideenspender. Dient auch im Sinne einer Dokumentationsaufnahme bei der sozialen Kommunikation im näheren Umfeld und für die spätere eigene Erinnerung (Andenken). Kann auch für „Eigenes Ego anheben“ verwendbar sein. Unterschied zum Social Imaging und Familienfoto: Der Amateur-Fotograf stellt sich konzentriert über mehrere Tage oder Wochen auf die Thematik der Fotografie ein. Wählt seine Reiseroute auch an Hand von Motiven aus.
Familienfoto Unterscheidet sich vom Social Imaging darin, dass es insbesondere zum Zwecke des späteren Erinnerns (Andenken) im engen sozialen Kontext/Umfeld aufgenommen wird. Portrait-Charakter von Personengruppen in sozialer Beziehung. Der Schnappschuß-Charakter ist weniger ausgeprägt als beim „Social Imaging“.

Punkte, wie „Eigenes Ego anheben“ soll hier ohne Bewertung aufgeführt werden. Gar kein Feedback, was das positive Erlebnis steigert, dürfte genau so unangenehm sein (für einen selbst), wie zu viel „Angabe“.

Kriterien der Gestaltung und Bewertung

Aus dem Ziel der Aufnahme (obere Tabelle) ergeben sich erhebliche Unterschiede, die für Gestaltung, wie auch „Bewertung“ eines Fotos angesetzt werden müssen.

Folgendes ist inhaltlich übernommen von Darius Ortmann und Stefan Jeschke aus: „Mythos vom guten Foto“ (fokussiert.com). Über den Checklistencharakter hinausgehende, detailliertere Informationen dort.

Kriterium (nach Darius Ortmann) Fotografie Vergleich zur Literatur (nach Stefan Jeschke)
Technische Umsetzung Fotografisches Handwerk Rechtschreibung
Bildgestaltung Fotografisches Handwerk Schreibstil
Idee Schöpferischer Akt Story
Historischer Kontext Kurzfristig oder langfristig interessante Thematik, zukünftige Thematik 1:1 übertragbar
Thematischer Kontext Schubladen, Klischee, nicht einordenbar / Mix 1:1 übertragbar
Narrativer Kontext Bildreihe, Ausstellung im erzählerischen Kontext Buchreihe
Erfüllung eines Zwecks Motivation des „Bildschaffenden“ (s. oben) 1:1 übertragbar
Follower und Likes Ego, Eigenwerbung 1:1 übertragbar

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