Gestaltungsmerkmale, die sich mit dem Bildrahmen, Rahmen- und Motivlinien befassen.

Die Aussagen zu den Stichpunkten sind nicht als Gut-Schlecht-Kriterien zu betrachten, sondern als Aufmerksamkeitspunkte im Sinne der gewünschten Bildwirkung. Also keine Empfehlungen, sondern Gestaltungskriterien.

Begriffe:

  • Motiv – Alle Bestandteile, die zur Bildaussage beitragen.
  • Dinge – Alles, was nicht zur Bildaussage beiträgt, dessen Darstellung sich aber nicht vermeiden lässt.
Motiv in den Rahmen einsetzen Die Ausrichtung eines Motives innerhalb des Bildrahmens kann zu Spannungen oder Entspannung führen (senkrecht, diagonal, …). Muster des Motivs unterstützen oder entgegen richten. Dem Motiv Platz lassen bis hin, es über den Rahmen reichen zu lassen (beschneiden).
Seitenverhältnis Den Rahmen an das Motiv anpassen. Das Motiv in das Seitenverhältnis der Kamera einpassen. Das Motiv mit dem Rahmen zu einem Ausschnitt zerschneiden. Ein „offenes“ Motiv mit dem Rahmen gestalten (z.B. Landschaftspanorama, Skyline). Extremes Seitenverhältnis lässt den Rahmen als eigenständige geometrische Figur erscheinen. Muster des Motivs unterstützen oder entgegen richten.
Quadratisch Ein streng quadratisches Seitenverhältnis lässt den Rahmen als gesonderte geometrische Figur erscheinen. Kann symmetrische Motivbestandteile verstärken (kreisförmiges Motiv, Motiv mit strahlenförmigen Linien, quadratisches Motiv, Motiv mit Muster bzw. Ornamenten).
Hoch-, Querformat Verändert die Bildwirkung eines Motives (dehnt oder staucht), dynamikrelevant. Oft kann das Querformat als das Statischere wahrgenommen werden: Der optische Flächenschwerpunkt liegt tiefer: das Motiv kann im Vergleich zum Hochformat ruhiger, stabiler wirken.
Nicht-Rechteckförmiger Beschnitt (gestückelt, gekachelt, gebogene Kanten, rund oder oval) Lässt den Rahmen als gesonderte geometrische Figur erscheinen. Kann Strukturen des Motivs fortsetzen. Kann die Konzentration auf das Motiv verstärken. Kann das Bild in seine Umgebung einordnen (z.B. in einem Buch, einem Bilderrahmen, einer Geometrie der Wand, an der es hängt, …)
Bildränder beachten Das Bild besteht nicht nur aus dem Motiv, sondern auch all dem, was noch so im endgültigen Beschnitt enthalten ist. Dinge aber auch Motive können teilweise ins Bild hineinragen. Motive können ganz oder teilweise dargestellt werden. Motiv abschneiden, zerschneiden.
Stürzende Linien Gestaltungsmittel oder nicht zu vermeiden. Bild zum Rahmen an einer gedachten Senkrechten ausrichten oder an einer der „gestürzten“ Linien. Oder an der Bilddiagonale ausrichten. Auch diagonal gedachte Linien bei einer Einteilung des Randes nach Goldenem Schnitt, Drittelregel usw.
Vignette „Krümmt den Rand“. Blick steuern. Schwerpunkt setzen. Randmerkmale auflösen. Stimmung verändern, verstärken. Vignette im Farbbild ist nur Helligkeitsinformation. Vignette im Schwarz-Weiß-Bild kann als Farbe verstanden werden.
Motivschwerpunkt (Motiv-Mitte, bei Gesichtern oft zwischen den Augen) Nach unten, oben, links und rechts verschoben ergibt unterschiedliche Bildwirkungen: Freiheit, Einengung, auch: entgegen oder mit der „Leserichtung“ des Auges. Verstärkung oder Abbremsen der Dynamik: Statischer oder beweglicher. Ästhetisch erwartete Sehwirkung unterstützen (Goldener Schnitt, Drittelregel, Fibonacci-Reihe…) oder entgegen wirken: betont mittig, betont seitenlastig. Motivhintergrund neben/um das Motiv unwesentlicher oder wesentlicher erscheinen lassen.
Virtuelle Linien berücksichtigen Die Blickrichtung von Augen, sind eine sehr starke virtuelle, also gedachte Linie im Bild. Auch eindeutig erkennbare Bewegungsrichtungen stellen Linien dar. Auch diese Linien im inhaltlichen Zusammenhang: Vorwärts oder zurück blicken. Auf oder herab sehen.

Linienarten

Linien können gerade oder gekrümmt oder geschlossen sein (z.B. Kreis, Oval, Spirale). Linien können zu einem Muster gruppiert sein (z.B. Netz).

Kontrast-Linien Kanten von Objekten Horizont, Gebäudkanten…
schmale Objekte Faden, Arm, Baumstamm…
Virtuelle Linen Halbierende oder Diagonale des Rahmens  
Feingliedrigere Teilung des Rahmens (Drittel, Goldener Schnitt…)  
Mittellinie eines Objektes Mensch entlang Kopf-Rumpf, Gebäudemitte…
Blickrichtung Stellung von Gesicht und Augen

Verbindungslinien zwischen Objekten (Ortsbeziehung, Blickbeziehung)

Bei mehr als 2 Objekten ergeben sich Geometrien über die Linie hinaus (z.B. Dreieck)

   
erwartete Bewegungsrichtungen    

Perspektive

Aufnahmestandpunkt der Kamera in Bezug zum Motiv. Objektivbrennweite. Legt u.a. die Anordnung des Motives entsprechend der oben stehenden Punkte, insbesondere der Linien fest.

Psychologisches Moment:

Aus Sicht des Betrachters: aufblicken, herabblicken, fliegen, kriechen, Bildinhalt als erdrückend oder frei empfinden

Anblick einer Person:

Seitenanblick beobachtender Standpunkt
Frontalanblick kommunizierender Standpunkt

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