Das neue Rawtherapee in der Version 5 (Release 1, also 5.0-r1) macht auf mich einen sehr guten Eindruck. Oberfläche und Workflow sind unverändert. Dafür gibt es in der Funktionalität viel Neues. Wichtig natürlich auch die Frage, wie stabil es arbeitet.

Portabel installieren

Wer aktuell mit vielem Bildmaterial im RT 4.2.1 arbeitet, möchte vielleicht nicht sofort umsteigen, sondern erst mal testen, was sich wie verändert hat. Um jeglichen Trouble mit Parallelinstallationen aus dem Weg zu gehen, habe ich mich für die portable-Lösung entschieden. Vielleicht sowieso der beste Weg, um später mal mit seiner Installation von einem zum anderen Rechner zu wechseln. Inklusive aller Einstellungen und selbst angelegten Profilen und ohne Sucherei, diese an den entsprechenden Windows-Orten wieder aufzusammeln. Backup ist auch einfacher: Einfach den gesamten Programmordner sichern. So riesig ist der nicht.

Hier wird beschrieben, wie funktioniert: Sieht nur im ersten Moment schwieriger aus, als es ist. Als Tool habe ich mich für innounp entschieden. Man lädt RawTherapee herunter und muss die Exe mit innounp entpacken.

innounp -x -dVERZEICHNIS RAWTHERAPEE.exe

Als VERZEICHNIS gibt man an, wohin entpackt werden soll und für RAWTHERAPEE.exe ist der Dateiname des RawTherapee-Installationsprogramms einzusetzen. Es ergibt sich dann ein app-Ordner. Ob der zusätzliche fonts-Ordner benötigt wird, bin ich mir nicht 100% sicher. Aller Wahrscheinlichkeit nach nicht, wie sich in den ersten Versuchen zeigt.

Eines ist noch zu tun: Im options-File muss unbedingt noch die Option MultiUser auf false gesetzt werden. Und schon: fertig!

In dem Zusammenhang springen wir gleich einmal zu…

Linux

Unter Kubuntu fand ich inzwischen auch die Version 5 in den Paketquellen. Ich verwende den Muon-Paketverwalter. Mit ihm kann man auch sehr einfach auf ältere Versionen zurückrüsten. In diesem Fall auf die Vorhergehende. Wie ich hier schrieb, wollte schon meine 4.2.1-Installation nicht mehr starten. Leider das Gleiche mit der 5er. Geht kurz auf und wieder zu. Auch vollständiges Entfernen half nichts.

Was der Grund für das Problem ist, weiß ich nicht. Meine aktuelle Kubuntu-Installation ist erst drei Wochen alt und ich glaube nicht, dass die Paketabhängigkeiten durch irgend etwas so schnell verhunzt sind. Da die vorhergehende RawTherapee-Version genau so den Abgang beim Starten macht, glaube ich nicht, dass das eine Schwäche in RawTherapee selbst ist, sondern mit den Bibliotheken zusammenhängt, die von der Linux-Compilation von RawTherapee aufgerufen werden. Andere Nutzer hatten so ein Verhalten auch schon mal bei früheren RawTherapee-Versionen beklagt und sich dann so beholfen:

Habe als Alternative die Windows-Version mittels Wine installiert. Start geht dort, allerdings ist das Rendering der Schrift auf der Oberfläche so grausig, dass es anstrengend ist, damit zu arbeiten! Ob das Programm unter Wine voll funktionsfähig ist, habe ich deshalb noch nicht getestet.

Parallelinstallationen verschiedener Versionen unter Linux sind eigentlich nicht möglich. Mit Eingriffen ins System, also vor allem in die Abhängigkeiten von Paketen und Bibliotheken vielleicht irgendwie. Aber das birgt Risiken. Und wenn ein solcher Workaround funktioniert, ist unklar, bis zu welchem Update von Programm oder Bibliotheken. Kommen wir deshalb gleich mal ganz allgemein zum Punkt…

Downgrade und Development-Versionen

(Gilt mit diesem Kapitel wieder auch und vor allem für Windows-Nutzer.)

Grundsätzlich kann man die Versionen auf seinem System hin und her graden. Bei den Profilfiles, die an den inzwischen bearbeiteten Bildern liege, dürfte sich dieser Wirrwarr aber sehr unschön abbilden. Es wird nur Aufwärtskompatibilität gewährleistet. Also ganz praktisch so anwenden:

Neue RawTherapee-Version grundsätzlich erst mal mit Bildern in separaten Ordner durch testen und dann den Entschluss fassen, ob das Upgrade durchgezogen wird.

Absolut zu warnen ist, Development-Versionen in seinen Bilderordner anzuwenden. Zwischen den Development-Versionen bis hin zur nächsten Stabilen kann sich die Syntax neuer Parameter (mehrmals) ändern. Das heißt, Profilfiles aus Development-Versionen sind nicht zwangsläufig aufwärtskompatibel zur nächsten Stable-Version.

Ansonsten freuen sich die Entwickler sicher, wenn Nutzer bereits durch Tests in der Developmentphase beim Auffinden von Bugs behilflich sind. Die dabei erzeugten Profilfiles (und Bildergebnisse) sind aber als potenziell inkompatibel zu betrachten und können später zu anderen Entwicklungsergebnissen führen. Hier ist also entsprechend Sorgfalt beim Handling mit den Profilfiles nötig. Man kann das machen. Keine Frage. Aber das in seinen Bildarchiven mit zu notieren, kann nicht schaden.

In Developmentversionen können, neben Abstürzen, auch noch Fehler oder Schwächen in den Filteralgorithmen enthalten sein. Also hiermit erzeugte Bilder unbedingt noch mal genau betrachten.

Neues und Geändertes in RT 5

Auffälligstes Merkmal in der neuen Version ist der neue Wavelet-Tab mit seinen vielen Filtermöglichkeiten und Parametern. Auf diese Funktionen möchte ich zuletzt eingehen, da man sich an diese erst heran tasten muss, um sie mit dem bisher gewöhnten Workflow zu vereinen. Vereinfacht gesagt tauchen hier viele bekannten Funktionen, wie Kontrast, Schärfe usw. noch einmal in neuer Art auf: Man kann sie auf verschiedene Detaillierungsgrade in der Zeichnung des Bildes unterschiedlich stark anwenden. Bisher kannte man so etwas bei RawTherapee nur vom „Kontrast nach Detailstufen“.

Vor dem Wavelet-Tab nun also erst mal der „Rest“ der Änderungen.

Schwächen beseitigt?

Als einzige Schwäche bei RT 4.2.1 hatte ich hier Abstürze genannt, die bei der Bearbeitung größerer Bildmengen sehr nerven können. Mein erster Test war also zu prüfen, ob das Problem noch besteht.

Dazu habe ich einen der Bildordner kopiert, wo mir die Abstürze zuletzt zu schaffen machten und das Fehlerbild dort noch einmal versucht, heraufzubeschwören. Positiv überrascht war ich, dass weder bei der Warteschlangenabarbeitung noch beim Wechsel der Bilder im Editor irgendwelche Abstürze auftraten.

Damit sind aus meiner Sicht alle Schwächen der Version 4.2.1 ausgemerzt. Denn bis auf diese 2 Punkte hatte ich bisher keine weiteren Probleme.

Dokumentation

Noch ein Punkt, bevor es zu den Programmdetails geht. RawTherapee ist ein sehr mächtiges Tool. Und da macht sich eine Dokumentation natürlich gut, um den Einarbeitungsaufwand nicht ins Unermessliche zu steigern. Ältere Dokumentationen, auch auf deutsch, sind auf der Hauptseite von RawTherapee unter Documentation unter „obsolete“ noch immer aufgeführt und eignen sich gewiss noch für die ersten Schritte bei fehlenden Englisch- oder Französisch- oder Japanisch-Kenntnissen. Denn das sind die aktuell verfügbaren Sprachen in der offiziellen Dokumentation RawPedia. Ob sich bereits helfende Hände zur Übersetzung ins Deutsche gefunden haben, kann ich im Moment (noch) nicht sagen. Als ich mich auf dem im Forum beschriebenem Weg dort anmeldete, um eventuell bei der Übersetzung zu unterstützen, kam eine Ablehnung.

Update: Hab’s noch mal über das Forum versucht und nun läuft es an. 🙂

Auf alle Fälle wird auch zu neuen Features (aber nicht durchweg), wie der Wavelet-Bearbeitung, in den vorhandenen Sprachen viel Informatives verbreitet. Für meinen Geschmack wäre ein etwas höherer Bildanteil mit Programmfensterausschnitten an mancher Stelle im beschreibenden Text ganz praktisch.

Die Programmoberfläche hingegen ist ausgezeichnet übersetzt, was den Dokumentationsnachteil zu einem gewissen Anteil ausgleicht. Selbst wo bisher noch Tone Mapping stand, immerhin eine nicht ganz zu vernachlässigende Filterfunktion, die ich in geringer Dosierung sehr oft verwende, steht jetzt Dynamikkompression. Da kann man sich etwas darunter vorstellen. Wem z.B. bisher noch nicht das Kunstwort Retinex bei Gimp oder als Photoshop-Plugin von Russell Cottrell über den Weg gelaufen ist, kann in der deutschen Version viel damit anfangen, da in Klammern dahinter steht Bildschleier entfernen. Danke dafür (an TooWaBoo, wie ich inzwischen weiß), so etwas nicht in einem Tool-Tip-Text zu verstecken! Dieses umfangreiche Tool ist aber auf RawPedia momentan auch noch nicht in der englischen Version beschrieben (aber da tut sich schon was).

Dateiverwaltung, Batch-Verarbeitung

In der Dateiverwaltung hat sich nicht sehr viel verändert. Wer allerdings häufiger die Entwicklung unter diesem Reiter gleich als Batchprozess durchführt, mein Fall war das nie, findet jetzt unter dem rechten Reiter Entwickeln den neuen Reiter Prüfen. Eine pfiffige Idee: Ist dieser Reiter ausgewählt verwandelt sich der rechte Programmteil in ein 1:1-Vorschaufenster. Fährt man nun mit der Maus in der Dateiverwaltung über die Bilder, wird die Region um die Maus in diesem Fenster dargestellt. Damit lässt sich nun auf schnelle Art genauer prüfen, welche Bilder man auf Grund von Unschärfe oder dergleichen aussortiert.

Weiter zum zweiten Teil…