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Fast genau quadratisch – praktisch – gut.


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So breit? – Sollte das ein Fehler sein?


Intro

Ich gebe zu: Ich bin jetzt mal recht frech, schreibe fast nichts und verweise auf Bilder als „Lehr-Beispiel“.

Doch zuvor…

Es gibt natürlich doch die Tipps in Worte ausgedrückt. Allerdings beschränke ich mich schriftlich nur auf die Agitation, Bilder unbedingt zu beschneiden. – Brauchst Du also alles nicht lesen, wenn du bereits an Deinen Bildern rumschnippelst.

Bildränder beachten

Diesmal lernen wir nichts, was irgend etwas mit RawTherapee speziell zu tun hat. Außer, dass es auch in RawTherapee eine Funktion zum Beschneiden unserer Bilder gibt.

Zuerst möchte ich Dir erzählen, dass es viele semiprofessionelle Fotografen und Fotoamateure gibt, die Dir erzählen werden, dass ein Bild nur dann authentisch ist, wenn es so bleibt, wie es mit dem Fotoapparat aufgenommen wurde. Vielleicht kennst Du einige. Denn es gibt sehr viele davon. (Und zu Analogzeiten gab es sogar welche, die trotzdem bekannt wurden. Sie haben ihre Bilder immer zum Nachweis mit dem Filmrand vergrößert. – Ok, wer sich’s halt leisten kann.)

Aber einige, und gar nicht so wenige, von diesen Kollegen fotografieren sogar in RAW und bearbeiten die Bilder nachher. Das einzige, was sie nicht tun ist, sie zu beschneiden. Sie meinen, dass sie bei der Aufnahme bereits alles möglichst optimal in die Sensorrelation gehalten haben. Und es gibt auch einige, die nehmen einfach das JPG der Kamera und verlassen sich darauf, dass die Kamera die Bilder bearbeitet, sagen aber, sie sind unbearbeitet, weil die Kamera recht dumm diese Bearbeitung ausführt. Sie ist auch dumm. Und es ist vermutlich tatsächlich eine Kunst, die Einstellungen der Belichtungen der Kamera so zu wählen, dass die Dummheit der Kamera ausreicht, daraus auch noch entsprechend annehmbare Bilder zu „machen“.

Ihr merkt, wie ich gewickelt bin. Und ich möchte es noch vertiefen:

  • Das zu fotografierende Objekt ist in der Szenerie nur begrenzt vom Fotografen zu beeinflussen. Außer bei aufwändigen Produktionen, wie Spielfilme oder Werbung oder im Studio.
  • Der Fotograf nutzt eine Kamera mit einem Sensor, der ein vorgegebenes Seitenverhältnis besitzt.
  • Ist der Sensor sehr hochauflösend, wird der Fotograf kein Zoom-Objektiv verwenden. Denn nur Fix-Fokus-Objekive bieten die höchst mögliche Auflösung. Ich denke hier an Auflösungen jenseits der 20MPixel-Kategorie.
  • Es liegen eine Menge Gegenstände rum. Zum Beispiel 10 Reihen Zuschauer vor einer Chordarbietung. Im Kabarett liegen sie auch noch flach. Wir haben es also mit einer begrenzten Standortwahl des Fotografen zu tun.
  • Und wir sind nicht in der Lage, die Objekte per Computer nach vorprogrammierten Mustern zu lenken. Studio und Model-Fotografie usw. ausgenommen.

Natürlich könnte man meinen, dass zum Fotografieren auch Talent und Glück usw. gehört. Das ist quatsch, in dem Zusammenhang! Wenn wir aufgefordert werden, zu einem bestimmten Anlass Fotos zu machen, hilft uns das nicht. Und Hochzeitsfotografen können auch nicht sagen, dass die Fotos nichts geworden sind, weil das Wetter am Hochzeitstag halt zu ungünstig war… das Laub im Park zu ungleich verteilt… Oder der Bräutigam oder die Braut zu fett oder zu dünn für’s 3:2-Format.

Unsere Verantwortung bei der Zusage, Fotos zu machen

… besteht darin, immer das Beste zu liefern, was möglich ist. Und warum soll uns das die Kamera vorschreiben? Damit wir bei schlechten Bildern eine Neue kaufen? Was das Seitenverhältnis anbelangt, wird sich auch da nichts ändern. Meist ist 3:2 der Standard.

Das Bild.

Am Ende zählt das Bild. Und nicht die vielen Randbedingungen, warum wir es nur zu 80% gut machen konnten.

Am Ende, stellen wir uns eine Ausstellung unserer Bilder vor,

zählt das Bild wie es ist

UND

die Interpretation des Betrachters.

Völlig egal sind die Randbedingungen der Aufnahme!

Ein Bild ist dann gut, wenn es gut ist ohne jegliche Kenntnisse der Randbedingungen. Und damit auch ohne Kenntnisse darüber, welches Seitenformat der Sensor es Fotografen hatte.

Chorische Aufnahmen

Jetzt gibts gleich die Bilder zum Tutorial! 🙂

Ich erspare Euch die Originale zu zeigen, die zeigen, wie beschissen es aussieht, einzelne Partien innerhalb eines singenden Chores zu fotografieren! Mein Ziel in einer Serie (Link kommt gleich) war es, möglichst Ausschnitte aus dem Chor so zu zeigen, dass die Dargestellten optimal abgebildet werden, das Bild in sich gut aussieht. Emotionen zum Betrachter übertragen werden.

Also möglichst wenige abgeschnittenen Gesichter, Hände, Ohren…, die vom eigentlichen Bildinhalt ablenken. Würde ich bei meinem Seitenformat des Sensors bleiben, hätte ich jeweils sehr wenige ästhetisch gute Ausschnitte zur Verfügung gehabt. In der Regel umfassen sie dann so große Bildbereiche, dass die Wirkung des einzelnen Sängers im Chor wieder verschwindet.

Ich habe dazu eine lange Brennweite mit großer Öffnung verwendet, um die Sänger herauszustellen und alles Umgebene allein schon durch Unschärfe in den mentalen Hintergrund zu drücken. Und dazu habe ich zwei weitere Techniken angewendet:

  • Beschnitt und
  • Vignette

Und das kann nun nicht nur RawTherapee. 😉

Die folgende Serie umfasst nicht nur Aufnahmen des Chores. Aber in jedem Fall habe ich die Schere angesetzt. Schätzungsweise nur 2% aller Bilder, die ich „abgeliefert habe“ (bei Weitem nicht alle sind im Folgenden gezeigt), sind im Originalformat der Kamera geblieben.

Und hier geht es nun zu diesen Beispielen…

Übrigens habe ich die Erfahrung gemacht: Je enger beschnitten, um so intensiver der Bildeindruck und um so mehr Spielraum für den Betrachter. – Aber es gibt auch gute Gründe, dem Objekt im Bild Raum zu geben. Beispiele vielleicht mal in einem späteren Tutorial. 🙂

Toleranz

Wie zu sehen, toleriere ich hier mal etwas absolut nicht. Die Beschränkung auf das Seitenverhältnis des Sensors hat etwas Konservatives: Mit festen Regeln, die den Bewegungsspielraum einschränken, macht man sich das Leben leichter. Das ist durchaus philosophisch zu verstehen!

Wer mit mir in der Meinung nicht übereinstimmt, dem darf ich hier ganz offiziell meine Toleranzgrenze darbieten: Den Sensor als bildbestimmendes Element zu verwenden, hat für mich etwas, was die künstlerische, produktive, individuelle Freiheit einschränkt.

Die Meinung, dass ein Bild authentischer ist, wenn das Sensorformat beibehalten wird, ist meines Wissens wissenschaftlich absolut nicht belegt. Oder ist Frau Merkel oder jeder anderer Politiker im Bild glaubwürdiger, authentischer abgebildet, wenn das Bild im 3:2-Format ist? Oder ist Emotionalität in meinen Gospelnightbildern deshalb unglaubwürdiger? Ich halte das für Humbug, so wie Pseudowissenschaft auch. Auch Pseudogesellschaftswissenschaft und Pseudokunstwissenschaft. Wobei es Letzteres wohl nur beim Sensorformat gibt. 😉