… und die Gimp-Ablösung heißt auch Photoline. Zumindest bei mir wegen der fehlenden Farbtiefe.

Es geht hier um dieses PhtotoLine.

Photoshop und Gimp

Ein Photoshop-Freund war ich nie, weil mir immer klar war, dass mir die abgespeckten Varianten nicht ausreichen werden und mir die volle Version zu teuer ist. Also eigentlich nicht: Mein Fotoapparat und meine Linsen sind ähnlich praktisch und geld-wert. Ich würde da auch in Software investieren. Nur altert die derart schnell, dass mir dann doch der Preis einfach zu hoch ist. Der Generationswechsel ist einfach zu fix. Also ist doch so ein Abo-Modell von Adobe eigentlich eine prima Sache. Für 2 Euro den Monat wäre das im privaten Bereich auch ok. Aber … – Und dann soll ich mich zu den tatsächlichen Preisen auch noch derartig an eine Firma gewöhnen? Denn Einarbeitung ist auch eine Investition. In Zeit und Nerven.

Gimp ist da eigentlich die Alternative. Und wenn es da hier oder dort mal klemmt oder langsam ist, nimmt man das bei einem solchen Projekt in Kauf. Zumindest ist man sicher, dass sich das „Verkaufsmodell“ nicht ändert. Und, dass die Community groß genug ist, um das Projekt langfristig am Laufen zu halten. Einarbeitungsaufwand ist also eine Investition in die Zukunft.

Was mir Gimp tatsächlich vermiest, ist die zwar seit Jahren angekündigte aber nie durchgängig umgesetzte Möglichkeit in mindestens 16 Bit Farbtiefe zu arbeiten. Nun habe ich mich in RawTherapee eingearbeitet und bin begeisterter Nutzer der Möglichkeiten. Wenn man aber doch mal mit Ebenen und Masken arbeiten möchte, dann blieb mir bisher nur Gimp. Vieles kann man in dem Zusammenspiel der beiden Programme zwar passend optimieren (16-Bit-Feinjustage mit RawTherapee und die groben Arbeiten mit Gimp), aber gerade dann, wenn man es am notwendigsten benötigt, sind die Grenzen schnell erreicht. Bei mir gerade bei der Aufbereitung der Rohdaten zu Ai Weiwei: Evidence.

Gimp ist für Grafik-Web-Designer zusammen mit einem ordentlichen Zeichenprogramm gut ausreichend. Zur Fotobearbeitung, bei der man es oft mit feinen Helligkeits- und Farbverläufen zu tun hat, nicht. Auch nicht, wenn man „bloß“ im Web veröffentlichen muss. Denn genau dann, am Bildschirm, sind die Probleme der Stufung durch zu geringe Farbtiefe noch kontrastreicher sichtbar.

Im Artikel Dithering: Ein Gimp-Tutorial habe ich beschrieben, wie man soetwas auch gerade noch mit Gimp hin bekommt. (Die Rauschvorlagen habe ich dann letztlich aber doch mit RawTherapee abgeschließend bearbeitet.) Allerdings kann man mit Farb- und Helligkeitsverläufen in 16 Bit komplett verhindern, dass sich vor dem Dithering Stufen bilden, die man wieder wegdithern muss. Das geht nämlich nur begrenzt. Dithering löst zwar solche Stufen auch etwas aus, aber das ist nicht die Hauptaufgabe. Und funktioniert meist auch nur vollständig, wenn das verwendete Rauschen recht grob ist. Mit Dithern will man eigentlich im mikrofeinen Maßstab Farbmischung benachbarter Pixel bewirken. Und das funktioniert auch gut. Wenn aber der Verlauf erst mal stufig ist, dann ist Dithering nur ’ne Krücke.

PhotoLine

Wegen dieser Mängel bin ich vor einiger Zeit auf PhotoLine gekommen.

  • Funktionen sind vergleichbar ausreichend vorhanden
  • und selbstverständlich durchweg mit hoher Farbtiefe
  • Preis ist ok
  • leider gibt es wenige Tutorials
  • das Arbeitsprinzip mit Ebenen ist aber vergleichbar zu Photoshop und Gimp
  • Deshalb lassen sich grundlegende Arbeitsmethoden aus Tutorials von Photoshop und Gimp für Photoline sinngemäß übernehmen. (Das Help-File ist gut lesbar geschrieben! Man findet sich sofort zurecht.)
  • Einige Photoshop-Plugins sollen auch gut unter PhotoLine laufen.
  • In PhotoLine gibt es zusätzlich Vektorzeichenmethoden (auf eigener Spezial-Ebene)
  • PhotoLine läuft und Windows und Mac und soll auch auf Linux Wine problemlos laufen.

Und das, wo ich doch bald auf Ubuntu umsteigen möchte.

Nicht nur, dass die Entwickler aus Deutschland sind (OpenOffice/LibreOffice war unter dem Namen StarOffice übrigens auch ein deutsches professionelles Entwicklungsprojekt). Was mich überrascht: Die Entwicklung geht auf erste Arbeiten auf Atari zurück. Es ist ein Softwareprodukt, dass schon recht alt ist, aber erst vor einigen Jahren so richtig erwachsen geworden ist. Bis auf seine etwas konservativ wirkende Oberfläche (die Entwickler legten mehr Wert auf stabilen und qualitativ hochwertigen Funktionsinhalt), ist das Stück „Weichware“ absolut empfehlenswert.

Wer mehr nun wissen will (ich muss nicht alles wiederholen):